Mit Sprache kann man Freude ausdrücken – und man kann sich an der Sprache erfreuen. Man kann sich ihrer bedienen in einem Akt von Sprechen und Zuhören, Schreiben und Lesen. Und man kann sie betrachten und untersuchen. In beiden Fällen geht es darum, mit Sprache kompetent umzugehen. Das Schulfach Deutsch dient dazu, diese Sprach- und Medienkompetenz zu vermitteln. Dies ist eine vielfältige und abwechslungsreiche Aufgabe, die es altersgemäß zu erfüllen gilt. Ein gutes Beispiel ist dafür der Literaturunterricht. Das folgende Gedicht bringt die ungestüme Lebensfreude eines jungen Künstlers zum Ausdruck.

 

Paul Boldt: Junge Pferde

Wer die blühenden Wiesen kennt
Und die hingetragene Herde
Die, das Maul am Winde, rennt:
Junge Pferde! Junge Pferde!

Über Gräben, Gräserstoppel
Und entlang den Rotdornhecken
Weht der Trab der scheuen Koppel,
Füchse, Braune, Schimmel, Schecken

Junge Sommermorgen zogen
Weiß davon, sie wieherten.
Wolke warf den Blitz, sie flogen
Voll von Angst hin, galoppierten.

Selten graue Nüstern wittern,
Und dann nähern sie und nicken,
Ihre Augensterne zittern
In den engen Menschenblicken.

( um 1914)

   

Natürlich kann man das oben abgedruckte Gedicht des wenig bekannten expressionistischen Schriftstellers Paul Boldt in üblicher Weise nach Inhalt, Form und Sprache interpretieren. Dazu sind einige wichtige Grundtechniken und die wichtigsten lyrischen Begriffe wie Versmaß, Reimschema oder Metrik notwendig. Man kann die Schüler aber auch dazu auffordern, die einprägsamen Metaphern dieses Pferde-Gedichtes auf sich wirken zu lassen, um die poetische Kraft dann in einer neue Textgattung, z.B. einer Erlebniserzählung umzusetzen. Das Gedicht kann aber auch zum Anlass für eine kritische Sachfrage genommen werden, z.B. ob man es den nachfolgenden Jahrgängen empfehlen sollte. Dann ist klares und rationales Argumentieren gefordert, wie es vor allen in den Erörterungen der neunten und zehnten Jahrgangsstufe betrieben wird. Und selbstverständlich ist es möglich, das Werk auswendig vorzutragen und dabei die Wirkung durch Gestik und Mimik zu unterstreichen. Denn auch der mündliche Sprachgebrauch ist eine wichtige Aufgabe des modernen Deutschunterrichts. Beim Recherchieren nach zusätzlichen Informationen zu Werk und Autor in Lexika, Zeitschriften und dem Internet trainiert man Medienkompetenz. Was man darüber findet, muss kritisch hinterfragt und verglichen und gewichtet werden. Man sieht: Unterricht im Fach Deutsch ist sehr abwechslungsreich und spricht unterschiedliche Fähigkeiten des Menschen an. Ein Gedicht kann der Schlüssel für ein umfassendes Lernerlebnis sein.

 

Das Arbeiten mit Sprache ist von Natur aus kommunikativ. Daher eignen sich besonders moderne Sozialformen für den Unterricht in Deutsch, wie Partnerarbeit, Gruppenarbeit und Projektarbeit. Schüler schreiben gemeinsam Erzählungen, verfertigen Plakate und verfassen selbst Gedichte. Der freie Schülervortrag gehört zum festen Repertoire unseres Unterrichtsgeschehens. Teamfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit werden auf diese Weise eingeübt. Dabei bereitet das Vortragen der eigenen Ergebnisse den Schülern ganz besonderen Spaß und erfüllt sie mit Stolz.

Das Lesen von Ganzschriften ist in jeder Jahrgangsstufe vorgesehen. Es ist eine Freude zu beobachten, wie Kinder und Jugendliche, von denen wir doch annehmen, dass ihnen die elektronischen Medien das Lesen längst abgewöhnt haben, verschlingen. Immer wieder erleben wir in unserem Unterricht, dass gerade Schüler aus den so genannten bildungsfernen Familien das selbst gekaufte Buch verschlingen. Manchmal kommt es vor, dass sich Schülern, die nach eigenem Bekunden zuvor noch nie ein ganzes Buch gelesen haben, eine neue Welt eröffnet.

 

Wir hoffen, dass wir unsere Schüler im Fach Deutsch fordern und fördern, so dass sie in ihrer Muttersprache wachsen und reifen. Denn wir alle benutzen unsere Sprache nicht nur, sondern wir leben in ihr.