
Olaf Steil (StD) |
Dr. Werner Kusch (OStD) |
Gerd Preuß (StD) |
Mitarbeiter der Schulleitung |
Schulleiter |
stellvertretender Schulleiter |
Aus einem Interview des Freisinger Tagblattes
mit dem ehemaligen Schulleiter Nikolaus Lackermair und dem stellvertretenden
Schulleiter Gerd Preuß
BERUFLICHE SCHULEN IN FREISING: Die Staatliche Wirtschaftsschule
Ein echtes Fitness-Studio fürs Berufsleben
Vom Fächerspiegel bis hin zu Workshops und „Übungsfirmenarbeit": Alles orientiert sich an der Praxis
Dass die Schüler der Freisinger Wirtschaftsschule tatsächlich für das Berufsleben und nicht für die Schule selbst lernen, das würden die Schulleiter Nikolaus Lackermair und Gerd Preuß ihren Schützlingen mit Brief und Siegel geben. Im FT-Gespräch schildern beide unter anderem, was dieser Art der beruflichen Schulen so außergewöhnlich macht.
Was ist das Besondere an einer Wirtschaftsschule?
Lackermair: Zunächst einmal gehört sie zu den beruflichen Schulen, weshalb der kaufmänische Unterricht ein weit höheres Wochenstundenmaß aufweist als an vergleichbaren Schularten.In welchen Bereichen ist die Wirtschaftsschule praxisorientiert er?
Preuß: Das fängt bei dem Fächerspiegel an, der mit BWL, Volkswirtschaft, Rechnungswesen, Text- und Datenverarbeitung kaufmännisches Wissen sowie Fähigkeiten vermittelt, die bei der Ausbildsplatzsuche aber auch im späteren Berufsleben von entscheidendem Vorteil sein können.
Lackermair: Im Fach Übungsfirmenarbeit lernen die Schüler außerdem die praktische Ausführung der wichtigsten kaufmännischen Tätigkeiten kennen: Sie kaufen und verkaufen Waren, übernehmen selbstständig die Buchführung oder managen die Geschäftskorrespondenz. Möglich macht dies nicht zuletzt unsere optimale technische Ausstattung, mit über insgesamt 140 PCs samt Internetanschluss.Was tun Sie, um Ihren Absolventen zu einem Ausbildungsplatz zu verhelfen?
Preuß: Erst kürzlich haben wir einen Informationsabend mit Lions Club und Leos Freising veranstaltet, bei dem Fachleute Tipps zu Ausbildungsmöglichkeiten gaben und Schüler sowie Eltern Gelegenheit hatten, ausführlich Fragen zu stellen.
Lackermair: Außerdem arbeiten wir eng mit der Freisinger Agentur für Arbeit zusammen, hier kommen ebenfalls regelmäßig Arbeitsvermittler zu uns. Darüber hinaus: Bewerbungstrainings und Betriebserkundungen stehen ebenfalls jedes Jahr für unsere Schüler auf dem Pflichtprogramm. Bei diesem Thema gehen wir unseren Schülern richtiggehend nach.Wo liegt das große Plus Ihrer Absolventen?
Lackermair: Zum einen darin, dass sie bei uns innerhalb von zwei, beziehungsweise vier Jahren einen Mittleren Büdungsabschluss erlangen. Danach stehen ihnen sämtliche weiteren Bildungsmöglichkeiten, von FOS bis zum Gymnasium, offen. Im übrigen haben unsere Absolventen Zugang zu gehobenen Berufen in Wirtschaft und Verwaltung, Handel, Banken und Versicherungen.
Preuß: Zudem erhalten die Schüler eine gezielte Vorbereitung auf ihre Berufsausbildung, dadurch verkürzt sich in der Regel deren Ausbildungszeit erheblich.Kommen die nicht-kaufmännischen Talente im Stundenplan da nicht zu kurz?
Preuß: Keineswegs, die individuelle Förderung der Schüler liegt uns sehr am Herzen. Das beweist unser umfangreiches Wahl- und Wahlpflichtfächerangebot, das wir im kulturellen, sprachlichen und multimedialen Bereich anbieten und das bei allen Jahrgangsstufen gut ankommt.
Lackermair: Auch durch Klassenfahrten, Besinnungstage und Studienausflüge fördern wir die kulturellen Interessen aller Jahrgangsstufen. Übrigens erhält ein Wahlpflichtfach - nämlich Mathematik, das zum 2. Mai 2005 für die zweistufige Form der Wirtschaftsschule eingeführt wurde - immer mehr an Bedeutung. Denn Schüler, die anschließend die FOS besuchen wollen, müssen ausreichende mathematische Kenntnisse vorweisen können.Welche Aufnahmebedingungen gibt es?
Preuß: Wer von der Hauptschule zu uns in die Jahrgangsstufe 7 kommt, darf bis zum 30. Juni nicht älter als 14 Jahre sein. Außerdem müssen gewisse Notenschnitte erfüllt werden. In die zweistufige Wirtschaftsschule können Schüler mit bestandenein Quali aus der 9. Jahrgangsstufe der Hauptschule dann aufgenommen werden, sofern sie im Fach Englisch die Note drei ha ben. Diese Schüler unterliegen zusätzlich einer Probezeit.Wie viel Prozent der Schüler bestehen den Test?
Preuß: Erfahrungsgemäß sind das um die zehn Prozent, allerdings können die Zahlen hier von Jahr zu Jahr schwanken.Wie viele der Wirtschaftsschüler haben zum Zeitpunkt ihres Abschlusses keinen Ausbildungsplatz?
Lackermair: Heuer waren das 15 Prozent - im Vergleich zu anderen Regionen sieht die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Freisinger Landkreis allerdings noch gut aus.Bleiben die Absolventen ihrer Schule denn von der anhaltenden Misere auf dem Ausbildungsmarkt verschont?
Preuß: Verschont nicht, dennoch sind unsere Schüler nach wie vor gern gesehen bei den Arbeiteebern der Region.
Lackermair: Und regelmäßig laden wir Auszubildende und Berufsschüler aus dem Landkreis ein, über ihre Erfahrungen zu berichten. Für viele Schüler ist das ein regelrechtes Aha-Erlebnis: Ihnen wird bewusst, welche Veränderungen der bevortehende Einstieg in die Arbeitswelt so mit sich bringt.Mit welchen Problemen sind Sie speziell als Schulleiter konfrontiert?
Lackermair: Das Schulhaus ist voll bis unters Dach und platzt fast aus allen Nähten. Gebaut wurde es in den 70er Jahren für etwa 450 Schüler - demgegenüber stehen derzeit 765 Schüler. Der Erweiterungsbau auf dem Schulgelände kann zwar vier bis fünf Klassen mit durchschnittlich 32 Schülern fassen, das entlastet die angespannte Raumsituation aber nur zum Teil.
Preuß: Allerdings haben wir keine einzige Wanderklasse ohne festes Klassenzimmer, wie es in vielen anderen Schulen bereits zur Tagesordnung gehört.Wie wirkt sich das auf den Aufnahmeprozess aus?
Lackermair: Wir tragen als Wirtschaftsschule vor allem eine gesellschaftliche Verantwortung. Zwar haben wir die räumliche Kapazitätsgrenze erreicht, andererseits kann man junge Menschen, die unser Bildungsangebot wahrnehmen möchten, auch nicht im Stich lassen.Wie hoch ist heuer die Unterrichts-Ausfallquote?
Lackermair: Wir sind in diesem Schuljahr in der glücklichen Lage, alle Unterrichtsstunden personell abdecken zu können.Was hat es mit der Idee der „bewegten Schule" auf sich?
Preuß: Obwohl unser Schulhof räumlich beengt ist, versuchen wir, mit kleineren Beiträgen unsere Schüler zu sportlichen Freizeit-Aktivitäten zu bewegen. Mit der Anschaffung zweier neuer Tischtennisplatten sind wir dem Ideal der „bewegten Schule" wieder ein kleines Stück näher gekommen. Als kleiner Nachteil erwies sich aber der entfernte Standort der Platten - da wird der Gong gerne mal überhört.Katja Locker